Spielsucht, fachlich Glücksspielstörung (ICD-11: 6C50), heißt: Du verlierst die Kontrolle über das Spielen, es wird wichtiger als anderes, und du machst trotz Schäden weiter. Hilfe gibt es kostenlos und anonym beim BIÖG-Beratungstelefon 0800 1 37 27 00. Eine OASIS-Sperre schließt dich zusätzlich von allem erlaubten Glücksspiel in Deutschland aus.
Vielleicht hast du nach einem Abend mit Sportwetten oder am Automaten auf dein Konto geschaut und gedacht: So geht das nicht weiter. Dann bist du hier richtig. Dieser Ratgeber erklärt, woran man Spielsucht erkennt, was sie begünstigt und welche Schritte heute helfen. Ohne Vorwürfe.
Was Spielsucht ist
Fachleute sprechen von Glücksspielstörung oder Glücksspielsucht. Die Weltgesundheitsorganisation führt sie in der ICD-11 unter dem Code 6C50, das US-Handbuch DSM-5 als „Störung durch Glücksspielen“. Sie steht dort neben den Suchterkrankungen durch Substanzen.
Laut WHO braucht es für die Diagnose drei Merkmale. Du hast das Spielen nicht mehr im Griff. Es bekommt Vorrang vor anderen Interessen und Alltagsaufgaben. Und du spielst weiter, obwohl es dir schadet.
Wie verbreitet ist das? Im Glücksspiel-Survey 2025 erfüllten 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen in Deutschland die DSM-5-Kriterien einer glücksspielbezogenen Störung. Weitere 5,5 % erfüllten ein bis drei Kriterien; bei ihnen ist riskantes Spielverhalten nicht auszuschließen. Männer waren mit 3,2 % deutlich häufiger betroffen als Frauen mit 1,1 %. Gefördert wird der Survey vom Deutschen Lotto- und Totoblock.
Anzeichen und Symptome
Das BIÖG nennt auf check-dein-spiel.de Fragen, an denen du dein Spielverhalten prüfen kannst. Kannst du eine oder mehrere mit Ja beantworten, kann das ein Zeichen sein, dass dein Spielen nicht mehr unbedenklich ist. Sinngemäß:
- Du setzt mehr Geld ein, als du dir leisten kannst.
- Du erhöhst die Beträge, um denselben Nervenkitzel zu spüren.
- Du hast versucht, weniger zu spielen, und es hat nicht geklappt.
- Du wirst unruhig oder gereizt, wenn du nicht spielen kannst.
- Du spielst, um mit Angst, Traurigkeit oder anderen unangenehmen Gefühlen klarzukommen.
- Du spielst weiter, um Verluste zurückzuholen.
- Du hast dir Geld geliehen oder andere gebeten, deine Spielschulden zu bezahlen.
- Du hast Menschen, die dir nahestehen, angelogen, wie oft du spielst.
Für eine erste Einschätzung kannst du den Spielsucht-Selbsttest machen. Er ersetzt keine Diagnose. Die stellen Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und -therapeuten.
Spielsucht-TestDie neun Fragen des Problem Gambling Severity Index (PGSI), mit deinem Ergebnis und Hilfsangeboten.Was sind die Auslöser für Spielsucht?
Eine einzige Ursache gibt es nicht. Meist kommen mehrere Dinge zusammen:
- Das Spiel selbst. Manche Spielformen sind riskanter als andere. Im Glücksspiel-Survey 2025 erfüllten unter den Spielenden virtueller Automatenspiele 32,5 % die Kriterien einer Störung, bei Glücksspielautomaten 28,1 %, bei Live-Sportwetten 27,0 % und bei Geldspielautomaten 23,4 %.
- Lebenskrisen. Die WHO nennt einschneidende Ereignisse wie Trennung, Ruhestand, Verletzungen oder den Tod eines nahestehenden Menschen, dazu Armut und Benachteiligung.
- Spielen gegen schlechte Gefühle. Wer spielt, um Angst oder Traurigkeit zu dämpfen, steht schon auf der Liste der Warnzeichen.
- Verluste zurückholen wollen. Weiterspielen, um Verlorenes wiederzubekommen, ist eines der typischen Muster.
- Denkfehler. Der Survey 2025 fand: Je schwerer die Probleme, desto stärker die glücksspielbezogenen Denkfehler, etwa unrealistische Annahmen über die eigenen Chancen oder die Überschätzung, das Ergebnis vorhersagen zu können.
Sportwetten und Wettsucht
Sportwetten fühlen sich für viele nicht wie Glücksspiel an. Man kennt die Teams, verfolgt die Form, hat ein Gefühl für das Spiel. Genau diese Überschätzung des eigenen Wissens zählt der Survey zu den typischen Denkfehlern. Rechtlich sind Sportwetten Glücksspiel, und die WHO zählt Wetten ausdrücklich dazu.
Live-Wetten während eines laufenden Spiels gehören zu den riskantesten Formen: Mehr als ein Viertel derer, die sie nutzen, erfüllt laut Survey die Kriterien einer Störung. „Wettsucht“ ist dafür kein eigener Fachbegriff, sondern eine Form der Glücksspielstörung. Hilfe und Sperre funktionieren genauso.
Spielsucht: was tun? Die ersten Schritte
- Sprich mit jemandem, am besten heute.Das Beratungstelefon des BIÖG ist kostenlos und anonym: 0800 1 37 27 00, montags bis donnerstags 10 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Das Team hilft auch, eine Suchtberatungsstelle in deiner Nähe zu finden.
- Sperr dich.Eine OASIS-Selbstsperre schließt dich bundesweit von allen legalen Angeboten aus, vor Ort und online. Aufheben lässt sie sich frühestens nach drei Monaten. Online-Anbieter haben zusätzlich einen Notfallknopf für eine sofortige 24-Stunden-Sperre. Alles Weitere steht im Ratgeber OASIS-Spielersperre.
- Sichere dein Geld.Gib Karten und Zugangsdaten für eine Weile in vertraute Hände, frag deine Bank nach einer Sperre für Glücksspiel-Zahlungen und hol dir bei Schulden Unterstützung von einer Schuldnerberatung.
- Sperr deine Geräte.Seiten ohne deutsche Erlaubnis sind nicht an OASIS angeschlossen. Laut BIÖG musst du dir den Zugang dorthin selbst verwehren, zum Beispiel mit den Schutzfunktionen von Handy und Computer.
- Hol dir Begleitung.Auf check-dein-spiel.de gibt es mit „Check Out“ ein kostenloses, anonymes Online-Programm mit Beratung. Bei einer ausgeprägten Störung ist eine Therapie sinnvoll. Am wirksamsten sind laut WHO derzeit längerfristige kognitive Verhaltenstherapie und motivierende Gesprächsführung.
Wie kommt man dauerhaft von Spielsucht weg?
Aufhören ist ein Prozess, kein einzelner Entschluss. Was trägt, sind mehrere Hürden zugleich: Sperren, abgesichertes Geld, Menschen, die Bescheid wissen, und ein Plan für schwierige Momente.
Selbstsperren sind dabei ein Baustein, kein Rundumschutz. Eine Übersichtsarbeit von 2014 fand, dass Menschen nach einer Selbstsperre angeben, weniger zu spielen und sich psychisch besser zu fühlen. Sie fand aber auch, dass Sperren nicht vollständig verhindern, dass jemand spielt, etwa bei anderen Spielformen.
Ein Rückfall heißt nicht, dass alles umsonst war. Schreib auf, was davor los war: Uhrzeit, Stimmung, Auslöser. Daraus wird dein Plan für das nächste Mal. Eine Vorlage bietet der Rückfallpräventionsplan.
Und wenn Angehörige sich Sorgen machen: Das Beratungstelefon des BIÖG ist auch für sie da.
Häufige Fragen
Welche Symptome haben Spielsüchtige?
Typisch sind Kontrollverlust, steigende Beträge, Unruhe ohne Spiel, Weiterspielen, um Verluste zurückzuholen, geliehenes Geld und Heimlichkeit. Die WHO fasst es in drei Merkmalen zusammen: beeinträchtigte Kontrolle, wachsender Vorrang des Spielens und Weitermachen trotz Schäden.
Was sind die Auslöser für Spielsucht?
Meist mehrere zugleich: riskante Spielformen wie Automaten und Live-Wetten, belastende Lebensereignisse, Spielen gegen schlechte Gefühle und Denkfehler über die eigenen Chancen.
Wie kommt man von Spielsucht weg?
Mit mehreren Bausteinen: Beratung (BIÖG, 0800 1 37 27 00), einer OASIS-Sperre, abgesichertem Geld, gesperrten Geräten und bei Bedarf einer Therapie. Rückfälle können passieren und sind kein Grund aufzugeben.
Ist Spielsucht eine anerkannte Krankheit?
Ja. Die Glücksspielstörung steht in der ICD-11 der WHO (6C50) und im DSM-5. Eine Diagnose stellen Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und -therapeuten.
Was ist Wettsucht?
Umgangssprachlich die Sucht nach Sportwetten. Fachlich ist sie eine Form der Glücksspielstörung; Beratung und OASIS-Sperre gelten genauso.
Kostet die Beratung etwas?
Nein. Das BIÖG-Beratungstelefon ist aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz kostenlos und anonym, das Online-Programm „Check Out“ ebenfalls.
Weitere Ratgeber
- OASIS-Spielersperre: Selbstsperre beantragen, Dauer und AufhebungOASIS-Spielersperre: Selbstsperre online oder beim Anbieter beantragen, wie lange sie mindestens gilt, wie die Aufhebung läuft und welche Lücken sie hat.
- Websites sperren auf dem iPhone: So geht’s mit BildschirmzeitWebsites auf dem iPhone sperren: der genaue Weg in Bildschirmzeit für iOS 18 und 26, was sich mit iOS 27 ändert und wo die Safari-Sperre an Grenzen stößt.
- Apps sperren auf dem iPhone: mit Limit, Code oder Face IDiPhone-Apps sperren: App-Limits mit Code, Auszeit, die neuen Nutzungszeiten in iOS 27 und Apps mit Face ID sperren oder ausblenden. Mit Apples genauen Menüs.
- Handysucht: Symptome, Test und was wirklich hilftHandysucht ist keine Diagnose, der Kontrollverlust ist trotzdem real. Symptome, ein Selbsttest, wie viel Handyzeit normal ist und 7 Schritte, die helfen.
Quellen
- BIÖG, check-dein-spiel.de: Wie erkenne ich eine Glücksspielsucht?
- BIÖG, check-dein-spiel.de: Beratungstelefon zur Glücksspielsucht
- BIÖG, check-dein-spiel.de: Sich sperren
- WHO: Gambling, Fact sheet (2. Dezember 2024)
- ISD Hamburg und Universität Bremen: Glücksspiel-Survey 2025, Pressemitteilung vom 11.03.2026
- Gainsbury 2014: Review of Self-exclusion from Gambling Venues as an Intervention for Problem Gambling, Journal of Gambling Studies
Allgemeine Informationen, keine medizinische oder psychologische Beratung. Wenn es dir schlecht geht, sprich mit einer Ärztin, einem Therapeuten oder einer der Beratungsstellen auf unserer Seite zur verantwortungsvollen Nutzung.
